Klug oder klugscheisserisch?

Zwei Tonlagen verderben mir die Debatte. Die eine poltert: laut, grob, beleidigend – saudumm, aber wenigstens ehrlich. Wer einen anderen ein Arschloch nennt, kann das hinterher nicht in Differenzierung umdeuten. Die andere belehrt: fürsorglich im Ton, herablassend in der Sache. Und das ist das Perfide daran – sie meint es nicht ungeschickt, sie macht es gezielt. Sie widerlegt nicht, sie stuft herab; versteckt ihre Verachtung hinter Bildung und guten Manieren und behält sich vor, jederzeit alles anders gemeint zu haben. Diskriminierung mit besserem Vokabular.

Beide eint dasselbe: Es geht nicht um Erkenntnis, nur ums Rechtbehalten. Der eine schreit, der andere diagnostiziert – Fortschritt Fehlanzeige.

 

Und ich? Kein neutraler Beobachter. Ein Arschloch halte ich aus – das ist greifbar, das steht zu sich. Die hochglanzpolierte, perfide Arroganz halte ich schlechter aus, weil sie sich der Verantwortung entzieht. Herkunft bedingt, zugegeben; auch ich bin gefärbt, ehe ich den Mund aufmache. Kein grosser Denker, eher einer, der das Verharren im Wohlstand erträgt, weil dieser ihm sogar die Kraft dazu gibt. Mein Credo bleibt trotzdem: Nur Nichtstun ist falsch. Denken erlaubt. Nur ahne ich, dass selbst dieser Satz schon Teil der Bequemlichkeit ist, gegen die er sich richtet.